Schonende Kathetertherapien bei Herzklappenerkrankungen

Als interventionelle Therapie bei strukturellen Herzerkrankungen werden alle kathetergestützten Eingriffe bezeichnet, die nicht die Herzkranzgefäße und nicht das elektrische Reizleitungssystem des Herzens betreffen. Dazu zählen insbesondere Eingriffe an den Herzklappen, am linken Vorhofohr sowie an der Vorhofscheidewand.

In der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen werden jährlich rund 600 interventionelle Eingriffe bei strukturellen Herzerkrankungen durchgeführt. Kathetergestützte Verfahren bieten im Vergleich zu operativen Eingriffen häufig den Vorteil einer besonders schonenden Behandlung ohne Eröffnung des Brustkorbes und ohne Einsatz einer Herz‑Lungen‑Maschine. Die Erholungszeit ist in der Regel deutlich verkürzt.

Für wen ist dieses Angebot geeignet?

Das interventionelle Klappen‑ und Strukturprogramm richtet sich insbesondere an Patient*innen,

  • bei denen ein hohes oder erhöhtes Operationsrisiko besteht,
  • bei denen eine herzchirurgische Operation nicht möglich oder nicht sinnvoll ist,
  • mit relevanten Herzklappenerkrankungen oder strukturellen Herzveränderungen,
  • mit Begleiterkrankungen oder höherem Lebensalter

Welche Therapie im individuellen Fall empfohlen wird, entscheidet stets ein interdisziplinäres Heart Team aus Kardiolog*innen, Herzchirurg*innen und Anästhesist*innen.

Aortenklappenerkrankungen – Transkatheter‑Aortenklappenimplantation (TAVI)

Die TAVI hat sich in den vergangenen Jahren als etablierte Alternative zum chirurgischen Aortenklappenersatz entwickelt. Große internationale Studien zeigen, dass sie bei Patient*innen aller Risikogruppen mindestens gleichwertige Ergebnisse erzielt. Bei Patient*innen über 70 Jahre wird die TAVI heute regelhaft als Behandlungsoption geprüft. Bei jüngeren Patient*innen wird aufgrund begrenzter Langzeitdaten häufig weiterhin der operative Klappenersatz bevorzugt. Die Entscheidung erfolgt individuell im Heart Team.

In über 90 % der Fälle kann die TAVI über die Leistenarterie (transfemoral) durchgeführt werden. Dabei wird die neue Klappe über einen Katheter zur erkrankten Aortenklappe vorgeschoben und dort freigesetzt.

Zum Einsatz kommen zwei bewährte Prothesentypen:

  • Ballonexpandierbare Klappenprothesen, bei denen der Klappenstent durch Aufdehnen eines Ballons fixiert wird.
  • Selbstexpandierbare Klappenprothesen, deren Stent sich nach Freisetzung selbst entfaltet.

Welche Prothese verwendet wird, richtet sich nach anatomischen und klinischen Faktoren.

Der Eingriff kann in lokaler Betäubung, in Analgosedierung oder in Vollnarkose erfolgen. Nach der Prozedur werden Patient*innen zunächst auf einer Überwachungsstation betreut und können häufig bereits nach wenigen Tagen entlassen werden.

Mitral‑ und Trikuspidalklappenerkrankungen – Edge‑to‑Edge‑Verfahren

Für Patient*innen mit Mitral‑ oder Trikuspidalklappeninsuffizienz und erhöhtem Operationsrisiko stehen kathetergestützte Rekonstruktionsverfahren zur Verfügung.

Beim MitraClip oder Pascal‑Verfahren wird über die Leistenvene ein Katheter bis zur betroffenen Klappe geführt. Unter kontinuierlicher echokardiographischer Kontrolle wird ein Clip implantiert, der die Klappensegel zusammenführt und so die Undichtigkeit reduziert. Je nach Befund können mehrere Clips eingesetzt werden.

Diese Verfahren sind besonders geeignet für:

  • ältere Patient*innen mit hohem Operationsrisiko,
  • Patient*innen mit funktioneller Mitralklappeninsuffizienz bei Herzinsuffizienz.

Auch die Behandlung der Trikuspidalklappe ist mit diesen Techniken möglich, erfordert jedoch besondere Erfahrung aufgrund der komplexen Anatomie.

Verschluss des linken Vorhofohrs

Patient*innen mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, da sich Blutgerinnsel im linken Vorhofohr bilden können. Ist eine dauerhafte Blutverdünnung nicht möglich oder mit hohem Blutungsrisiko verbunden, kann ein kathetergestützter Vorhofohrverschluss sinnvoll sein.

Dabei wird über einen Katheter ein spezielles Verschlusssystem implantiert, das den Eingang des Vorhofohres dauerhaft verschließt. In vielen Fällen kann anschließend die dauerhafte Antikoagulation beendet werden.

Verschluss eines offenen Foramen ovale (PFO)

Ein offenes Foramen ovale ist bei etwa einem Drittel der Bevölkerung vorhanden. Bei Patient*innen mit Schlaganfall unklarer Ursache kann der kathetergestützte Verschluss dieses Vorhoflochs das Risiko für einen erneuten Schlaganfall deutlich senken.

Der Eingriff erfolgt über die Leistenvene und gilt in erfahrenen Zentren als kurz, sicher und effektiv. Nach Implantation werden die Verschlusssysteme vom körpereigenen Gewebe überwachsen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Sicherheit

Alle interventionellen Eingriffe bei strukturellen Herzerkrankungen erfolgen in enger Zusammenarbeit von Kardiologie, Herzchirurgie, Anästhesie und Herzbildgebung. Moderne Hybrid‑OP‑Strukturen, kontinuierliche echokardiographische Kontrolle sowie erfahrene Teams gewährleisten ein hohes Maß an Sicherheit.

Die Nachbehandlung erfolgt individuell angepasst – von kurzer Überwachung bis zur spezialisierten stationären Betreuung.

Ärztliche Leitung

Herzklappenprogramm, Interventionelle Therapie

Prof. Dr. Karl Toischer

Prof. Dr. Karl Toischer

Sekretariat

  • Leiter interventionelles Herzklappenprogramm - Kardiologie
    Anmeldung: Tel. 0551-39-60700 | Fax. 0551-39-60701
    E-Mail. kardiologie.casemanager(at)med.uni-goettingen.de

    Leiter Intensivmedizin

    Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie
    Zusatzbezeichnungen/-qualifikationen: Intensivmedizin, interventionelle Kardiologie, Herzinsuffizienz, aktive Herzrhythusimplantate

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